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Lindisfarne – Die Heilige Insel

In Northumbria im Norden Englands liegt die Gezeiteninsel Lindisfarne, die bekannt ist als Ausgangspunkt frühmittelalterlicher Missionare und als Ziel der ersten Wikingerraubzüge auf England. Vor einem Überfall der Nordmänner muss man sich heute auf Lindisfarne wohl nicht mehr fürchten, doch die Geschichte lebt und ein Besuch der Insel führt einen nicht nur durch idyllische Landschaften, sondern auch in einen Ort reichhaltiger historischer Tradition.

Vom Goldenen Zeitalter zu den Raubzügen der Wikinger

Als „Golden Age“ wird auf Lindisfarne die Zeit ab 635 A.D. bezeichnet als der irische Mönch St. Aidan auf königliche Anordnung hier ein Kloster gründete und die Insel zum Ausgangspunkt der Missionierung Nordenglands machte. Ein Zeitalter der Kunst und der Bildung brach an: die erste Schule der Region wurde gegründet, in der junge Männer zu Missionaren augebildet wurden. Berühmt ist Lindisfarne auch für ein Ende des 7./ Anfang des 8. Jahrhunderts entstandenes Meisterwerk der Buchmalerei: die Lindisfarne Gospels, ein Evangeliar, das heute in der British Library in London ausgestellt ist.
Den Namen „Heilige Insel“ erhielt Lindisfarne jedoch nicht nur aufgrund ihrer Bedeutung für die Christianisierung Englands. Im Jahre 793 erschütterte ein brutaler Überfall der Wikinger die Insel und aus Mönchen wurden Märtyrer. Hungersnöte, Wirbelstürme, Gewitter und feurige Drachen am Firmament kündeten den Einfall der Heiden an – so ein zeitgenössischer Chronist – der ein Blutbad unter den Bewohnern der Insel mit sich brachte. Weitere Überfälle im Jahr 875 bedeuteten das Ende des Goldenen Zeitalters. Die Mönche flohen und erst 200 Jahre später wurde unter  der Herrschaft der Normannen ein neues Kloster auf Lindisfarne errichtet.

Sehenswürdigkeiten auf Lindisfarne

Trotz seiner geringen Größe hat Lindisfarne Besuchern viel zu bieten. Die Ruine des aus rotem Stein erbauten Benediktinerklosters aus dem 11. Jahrhundert bietet vor dem Hintergrund der See und der abseits gelegenen, auf Vulkanstein erbauten Burg einen malerischen Anblick. Das nebenan gelegene Lindisfarne Centre informiert über die Geschichte der Insel, die Lindisfarne Gospels und natürlich die Wikinger. In den Lindisfarne Gospel Gardens erwartet einen ein Meer aus Blüten und in den kleinen Souvenirläden kann man hausgemachten Fudge und Lindisfarne-Met erstehen. Aus den Tagen der Heringsfischerei übrig geblieben sind die großen umgedrehten Fischerboote im Holy Island Hafen, die heute als Schuppen dienen. Auch das Dorf Marygate selber mit seinen engen Gässchen und kleinen Cottages ist sehr hübsch. Nach einem kleinen Spaziergang vorbei an grünen Schafsweiden erreicht man zu guter Letzt Lindisfarne Castle. Die Mitte des 16. Jahrhunderts zum Schutz gegen Angriffe der Schotten errichtete Festung ist schon von weitem sichtbar und daher ein Wahrzeichen der Insel.
Auch wer sich mehr für Natur als Geschichte interessiert, kommt auf Lindisfarne nicht zu kurz. Über 300 verschiedene Vogelarten besuchen die Insel zur Migrationszeit oder überwintern hier und die felsigen Ufer der Insel sind bei Flut auch bei Robben sehr beliebt.

Praktische Hinweise

Oberstes Gebot bei einem Besuch auf Lindisfarne: beachten Sie die Gezeiten! Zweimal täglich wird die Insel von der Flut vom Festland abgeschnitten und die einzige Verbindungsstraße überschwemmt. Um von der Flut nicht überrascht zu werden, informiert man sich am besten schon im Vorfeld im Internet oder spätestens im Örtchen Beal auf dem Festland vor Lindisfarne an einem der aushängenden Tidekalender über die Gezeiten.

Die von einer wunderschönen Dünen- und Wattlandschaft gesäumte Straße ist offen für Autos, Reisebusse, aber auch Fußgänger, Fahrradfahrer und Reiter. Die „Holy Island“ ist eine der trockensten Gegenden des ansonsten regnerischen Landes und lädt deshalb geradezu ein zu einer ausgiebigen Fahrradtour.
Auf Lindisfarne angekommen müssen Autofahrer ihr Gefährt auf einem Parkplatz am Ortsrand von Marygate zurücklassen und den Rest des Weges zu Fuß oder mit einem Shuttlebus zurücklegen. Die Insel ist klein und wer es nicht besonders eilig hat, sollte auf den Bus verzichten und stattdessen das idyllische Dörfchen auf dem Weg zu Lindisfarne Castle zu Fuß erkunden.

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