» Kanada
Die vierte Etappe meiner Kanada-Tour führt mich von Wolfville nach Moncton. Die Strecke beträgt etwas über 300 Kilometer, die ich zum größten Teil in einem wackligen und etwas muffigen Bus zurücklege. Da dieser wirklich jede Kleinstadt mit längeren Pausen anfährt, bleibt mir genügend Zeit, mich mit der Kleinstadtidylle in Kanada vertraut zu machen.
Die kleinen Tante-Emma-Läden, die in Deutschland kaum noch vorhanden sind, gehören hier immer zum Straßenbild. Die meisten Leute treffen dort hier zu einem Schwätzchen, tauschen Erlebnisse der vergangenen Tage aus und beäugen einen Fremden wie mich etwas argwöhnisch. Leider werde ich hier nicht mit der bisher erfahrenen Offenherzigkeit begrüßt und als ich mich in einem Coffeeshop zum Mittelpunkt des Interesses entwickele, wird mir doch etwas mulmig zumute. Die meisten Touristen nutzen die Kleinstädte lediglich zum Einkauf von Lebensmitteln oder Angelzubehör, weshalb ich wohl eine Ausnahme von der Regel bin.
[...mehr]Die Panamericana verläuft, mit einer größeren Lücke am Isthmus von Darién, von Alaska bis Patagonien längs durch beide amerikanischen Kontinente. Sie durchquert dabei 14 bis 19 Staaten, je nachdem, welchen Verzweigungen man in Lateinamerika folgt, und passiert mehrere Klimazonen.
Die Idee einer zusammenhängenden, interkontinentalen Straße beider Amerikas entstand 1923, beschlossen wurde das Projekt 1936. Seither wurde fleißig gebaut, und bis auf jenes 90 Kilometer lange Urwaldareal am Isthmus von Darién ist die Panamericana inzwischen befahrbar.
Das heißt natürlich nicht, dass irgendjemand sie auf einer Motorradtour auch wirklich von Nord nach Süd durchfährt – dafür ist der Zustand der Straßen, die insgesamt eine Länge von fast 26.000 Kilometern erreichen, zu uneinheitlich. Manche Streckenteile lassen sich nur während der Trockenzeit befahren, andere sind das ganze Jahr über gefährlich. Zudem ist die Panamericana, besonders in Lateinamerika, keine einzige Straße, sondern ein ganzes System von Straßen, das sich mehrfach aufspaltet.
[...mehr]Die dritte Etappe meiner Reise führt mich heute entlang des “Evangeline Trails”. Von Yarmouth geht es dabei in Richtung Wolfville entlang der nördlichen Küste Nova Scotias.
Die etwas raue See am heutigen Tage ruft ein mulmiges Gefühl in meinem Magen hervor, denn ich möchte mich auf Walbeobachtung begeben. Die “Bay of Fundy” ist eines der bekanntesten Walbeobachtungsgebiete in ganz Nordamerika – acht Walarten werden hier dauerhaft gesichtet. Entgegen meiner Erwartungen beruhigt sich das Meer ein wenig und der Fischkutter, auf dem ich mit fünf anderen Personen die abenteuerliche Tour gebucht habe, schippert ruhig vor sich hin. Und ich werde nicht enttäuscht, nur wenige Minuten nachdem wie die steinige Küste der Bay of Fundy hinter uns gelassen haben, begleiten uns zwei Delphine aufs Meer hinaus – wie klischeehaft. Der Kapitän, ein alter Seebär, steuert gezielt auf eine Stelle zu, wo wir schon nach kurzer Zeit einen Wal entdecken können. Ein Finnwal, der übrigens der zweitgrößte seiner Art ist, zieht nur wenige Meter vor uns seine Bahnen. Der Kapitän begleitet ihn ein wenig auf seinem Weg und irgendwann verschwindet der Meeresbewohner am Horizont. Im Laufe unseres Ausfluges begegnen uns noch drei weitere Wale und so können alle unvergessliche Impressionen mit der Kamera festhalten.
Etwas durchnässt von der windigen See fahre ich dann mit einem großen Truck in Richtung Wolfsville. Die kleinen Fischerdörfer und historischen Stätten entlang der Strecke verlieren ein wenig an Bedeutung angesichts des heutigen Erlebnisses. Bis jetzt hat Kanada alle meine Erwartungen übertroffen.
[...mehr]Während einer Trekking-Tour kann auch einmal der Nahrungsvorrat zur Neige gehen. Da sich selten ein Supermarkt in der Nähe befindet, kann Angeln eine gute Möglichkeit der Nahrungsbeschaffung sein.
Dabei gibt es aber verschiedene Angelmethoden, die je nach Zielfisch variieren. Befindet man sich an der Meeresküste, eignen sich das Meeresangeln oder das Brandungsfischen. Beim Meeresangeln werden von einem Boot aus die Ruten ausgeworfen. Diese haben hier eine größere Reichweite, dickere Schnüre und schwerere Köder. Ähnlich verhält es sich beim Brandungsfischen – die Wurflänge kann bis zu 100 Meter betragen. Bevorzugte Fischarten sind der Dorsch, die Makrele, der Köhler, die Scholle, die Sprotte und der Aal.
An Flüssen ist das Fliegenfischen eine ideale Fangmethode. Bei dieser aktiven Art des Angelns wird mit künstlichen Ködern das Zappeln eines Insektes auf der Wasseroberfläche imitiert, das ständige Bewegen der Angel simuliert ein kurzes Krabbeln oder Eintauchen. In Kanada oder Schweden werden mit dem Fliegenfischen vor allem die Wildlachse gefangen.
Beim Angeln auf Binnengewässern sind das Posen-Angeln und das Blinkern die beliebtesten Angelmethoden. Mit dem Posen-Angel kann man vorwiegend Friedfrische fangen. Beim Absinken der Pose reißt der Angler die Rute an, damit sich der Haken im Fischmaul verankert. Der Hecht ist das Lieblingsziel der deutschen Angler. Der größte einheimische Raubfisch kann bis zu 1,50 Meter groß und 35 Kilogramm schwer werden.
Der Genuss von geräucherten oder gebratenen frisch gefangenen Fisch kann für den Wanderer nach einem langen Tag eine vorzügliche Abwechslung auf dem Speiseplan sein. Petri Heil!
[...mehr]Heute beginnt die eigentliche Tour durch das weite Land von Kanada – den Rucksack geschultert ist Yarmouth mein nächstes Reiseziel. Den Weg dorthin bezeichnen die Kanadier als “Lighthouse Route”. Sie verläuft parallel zur Küste von Nova Scotia und ist gesäumt von 20 Leuchttürmen ganz unterschiedlicher Bauart.
Nova Scotia, im Osten von Kanada gelegen, besteht zu 80 Prozent aus Wald und Wasser. Die weiten Waldflächen werden immer wieder von kleinen idyllischen Seen oder schroffen Felsen unterbrochen. Wer die Einsamkeit sucht, findet hier sein Paradies, lediglich der Schrei einer Möwe oder das Rauschen des Windes unterbrechen die Ruhe. In den kleinen Ortschaften entlang der Route stehen noch immer windschiefe Holzhäuser, die Bewohner transportieren ihr Holz teilweise noch mit Ochsenkarren, an der Küste schaukeln Holzboote im Rhythmus der Wellen und überhaupt scheint der Fortschritt eher einen großen Bogen um diesen Flecken Erde gemacht zu haben.
Ein Trucker hat mich mitgenommen zum beliebtesten Anlaufpunkt auf der “Lighthouse Route”, “Peggy´s Cove”. Der Leuchtturm auf einem Felsvorsprung ist ein beliebtes Fotomotiv, besonders, wenn Sonne und Wolken ein Farbspiel auf den Himmel zaubern. Da es sonst eher weniger zu sehen gibt, geht meine Reise auch kurz darauf weiter. Nach rund zwei Stunden Fußweg setzt Nieselregen ein und es wird schnell kälter. Die Menschen hier scheint dies wenig zu stören, während ich schon völlig durchnässt nach einer Mitfahrgelegenheit suche. So gelange ich im dichten Nebel und fortwährenden Regen nach Yarmouth.
[...mehr]Das Reisen kann selbst in der Zeit der Billigflieger noch eine teure Angelegenheit sein. Meisten werden nur große und mittlere Metropolen angeflogen und so bleibt mancher schöner Ort auf der Strecke, weil man ihn schlecht erreichen kann.
Eine recht kostengünstige Variante des Reisens ist das Trampen. Der Kult der 60er und 70er Jahre ist durch die steigende Anzahl von Autos und dem Ausbau des Verkehrsnetzes fast in Vergessenheit geraten. Dabei kann man mit Hilfe des Trampens große und weitläufige Länder wie Kanada, Schweden, Finnland, USA, Spanien oder ganze Erdteile wie Australien und Südamerika auf diese Art für sich entdecken. In den südamerikanischen Ländern, Südeuropa oder Kanada ist für die Reisenden durchaus üblich, Tramper mitzunehmen. Empfehlenswert ist es aber, die Landessprache zu beherrschen und dem Fahrer ein kleines Entgelt zu geben. Um sich ein ideales Fortkommen zu sichern, sollte man genaue Orte vereinbaren, zu denen man mitgenommen werden möchte.
Zur Ausrüstung eines Trampers sollte unbedingt ein Straßenatlas gehören, in welchem die Raststätten eingetragen sind. Sie sind der ideale Ort, um eine weitere Reisemöglichkeit zu finden. Andere interessante Orte wo es sich zu Trampen lohnt, werden mit Erfahrungsberichten im Netz gesammelt. Weitere wichtige Attribute beim Trampen sind Freundlichkeit, Offenheit, gepflegtes Aussehen und das Überwinden von Hemmungen. Wichtig ist es aber auch, “Nein” sagen zu können. Wenn eine Person suspekt und unsympathisch aussieht – lieber auf die Fahrt verzichten.
Tipps zum Trampen:
• Höchstens mit zwei Personen versuchen eine Fahrgelegenheit zu finden, größere Gruppen schrecken Autofahrer ab
• Immer auf die Sicherheit achten (siehe Text)
• Geduld beweisen und trotzdem freundlich bleiben
• Flexibel sein – auch so kommt man voran
• Ausstiegsort kennen, um Missverständnisse zu vermeiden
Endlich ist es soweit – nach knapp sieben Stunden Flug erreiche ich Halifax in Nova Scotia (Canada). Vor mir liegt eine Rundreise durch ein Land, welches bei mir immer Vorstellungen von imponierenden Naturlandschaften, einzigartiger Tierwelt und eine Mischung aus Moderne und Historie hervorgerufen hat. Ob diese klassischen Klischees bedient werden oder sich Kanada ganz anders präsentiert, möchte ich in den folgenden Wochen herausfinden.
Nach dem Beziehen meiner Unterkunft ist es schon Nachmittag und es bleibt heute nicht mehr viel Zeit, Halifax zu entdecken. Erster Anlaufpunkt ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in ganz Kanada – die Halifax Citadel National Historic Site. Die Festung, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammend, thront über der Stadt und bietet so faszinierende Ausblicke über die Stadt und ihre Umgebung. In den Mauern können sich Besucher die Unterkünfte der Soldaten, die Wachräume, die Schulräume sowie das Waffendepot der Festung anschauen. Seit 1953 ist auch das Militärmuseum in den Gemäuern beheimatet, welches anhand von historischen Stücken die Geschichte der Armeen von Großbritannien und Kanada erläutert.
Nach diesem historischen Exkurs in die Vergangenheit und dem ganzen Reisestress steht mir der Sinn nach etwas Beschaulichkeit und Ruhe. Meine Wahl fällt auf den Stadtgarten im Herzen von Halifax. Diese Oase der Ruhe voll mit bunten Blumenbeeten, Bäumen, Statuen und Brunnen lässt mich Kraft schöpfen und die ersten Eindrücke von Kanada verarbeiten. Inzwischen geht langsam die Sonne unter und ich beschließe, den ersten Abend an der Strandpromenade in einem kleinen Café ausklingen zu lassen. Mit der Vorfreude auf die kommenden Tage schlafe ich am Abend erschöpft ein.
[...mehr]



