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Neapel – Mehr als nur die Camorra

Neapel – wer denkt da nicht zuerst an das Organisierte Verbrechen und Roberto Savianos „Gomorrha“? Aber die am dichtesten besiedelte Stadt Europas hat mehr zu bieten als nur die Camorra.

Kaum eine Stadt ist lebendiger als die Metropole im Süden Italiens. Auf der Spaccanapoli, dem Corso Umberto I., im Spanischen Viertel und auf den Piazzen wimmelt es von Touristen, Straßenhändlern und Einheimischen, die zu Fuß oder auf Rollern unterwegs sind, überall hört man unermüdliches Diskutieren, Motorenlärm und Hupkonzerte. Doch trotz Lärm und Chaos übt Neapel auf Besucher einen Charme aus, der verstärkt wird durch seine idyllische Lage und dreitausendjährige Geschichte, die noch vielerorts sichtbar ist.

Wer dem Chaos der Stadt entfliehen will, sollte den Hügel Vomero im gleichnamigen Viertel besteigen, von dem man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt, den Golf von Neapel und den Vesuv hat. Auf dem Vomero liegen das Castello Sant’Elmo, eine Wehranlage aus dem 14. Jahrhundert, und das Kloster Certosa di San Martino. Weitere Zeugnisse der prunkvollen Geschichte Neapels sind die ehemalige, in der Nähe des Hafens gelegene, königliche Residenz Castel Nuovo, in der sich heute das Stadtmuseum befindet, und der Palazzo Reale, der im 18. und 19. Jahrhundert Regierungssitz der Bourbonen war und heute die Nationalbibliothek beherbergt. Von den vielen neapolitanischen Kirchen ist besonders San Francesco di Paola bemerkenswert, die gegenüber des Palazzo Reale auf der Piazza del Plebiscito liegt und mit ihrer Kuppel dem römischen Pantheon nachempfunden ist.

Da Neapel sehr hügelig ist, bietet sich eine Fahrt mit der Funicolare, der Zahnradbahn, an, die eine Attraktion an sich ist. Außerdem sehenswert sind das auf einer Halbinsel gelegene Castel dell’Ovo, die Katakomben von San Gennaro und das Labyrinth des Unterirdischen Neapels. Bei einem Stadtspaziergang sollte die über einhundert Jahre alte Einkaufspassage Galleria Umberto I. besichtigt werden und für Hobbyhistoriker und –archäologen ist das Museo Archeologico Nazionale, in dem Funde aus Pompeji und Herculaneum ausgestellt sind, ein Muss. Und zur Stärkung nach einem langen Tag im bunten Treiben der Stadt? Gönnen Sie sich einen Besuch in einer der vielen Pizzerien – denn nirgendwo schmeckt Pizza besser als in ihrem Herkunftsort Neapel.

Ausflüge in die Umgebung

Von Neapel aus lohnt sich ein Tagesausflug mit der Circumvesuviana, einer Eisenbahnlinie, die Neapel mit Herculaneum und Pompeji verbindet. Während Pompeji die größere der beiden berühmten 79 n.Chr. bei einem Ausbruch des Vesuvs verschütteten Städte ist, ist das kleinere Herculaneum besser erhalten und bietet einem einen wunderbaren Einblick in das Leben in einer römischen Stadt. Neben zweistöckigen Wohnhäusern sind öffentliche Gebäude, Statuen und farbenfrohe Mosaike erhalten. Außerdem bietet Herculaneum den Vorteil, dass man nach einem Besuch der antiken Stadt von dort aus auch den zweitgrößten tätigen Vulkan Italiens besteigen kann.

Ein anderes Ziel für einen Urlaub oder einen Tagesausflug sind die drei Inseln im Golf von Neapel: Capri, Ischia und Procida, die jede auf ihre eigene Art reizvoll sind. Während Capri bekannt ist für seine Höhlen, insbesondere die so genannte „Blaue Grotte“, wird die „grüne Insel“ Ischia gerne von Wanderern besucht. Procida ist die kleinste der drei Inseln und gleichzeitig die untouristischste. Dennoch, oder gerade deshalb, bietet sie mit ihrem tollen Panorama, ihren blühenden Gärten und ihrer typisch mediterranen Architektur ein wunderbares Ausflugsziel.