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Kappadokien – Heimat der bizarren Felsen

Urlaub in der Türkei ist mehr als nur Baden im azurblauen Wasser an den weißen Stränden des Mittelmeeres. Das Land ist reich an Historie und beeindruckenden Landschaften, auch wenn eine Reise ins Landesinnere nicht immer ganz ungefährlich ist. Unberührte und unentdeckte Gegenden wie die Schwarzmeerküste des Landes, das anatolische Hochland oder Kappadokien sind sehenswert und in jedem Fall ein Abenteuer wert.Besonders Kappadokien hat es den Besuchern angetan. Wind, Regen und Menschenhand haben der Landschaft eine eigentümliche Form gegeben. Das weiche Tuff, welches hier vorwiegend zu finden ist, lässt sich schnell und gut bearbeiten, so hat sich im Laufe der Jahrtausende ein Höhlensystem durch Menschen ergeben. Betrachtet man die Siedlungsgeschichte Kappadokiens findet man hier Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Religion. Fast immer war die beeindruckende Landschaft eine Zufluchtsstätte für Minderheiten. Schon in der vorchristlichen Zeit siedelten hier Perser, Makedonen, Ägypter, Griechen und Ariobarzaniden. In frühchristlicher Zeit bestimmten Römer, Hunnen und schließlich Osmanen die Geschicke des Landes. Ein ganz wichtiger Aspekt jener Zeit aber war, dass Kappadokien ein besonders populäres frühchristliches Zentrum gewesen war. Über 3.000 Kirchen lassen sich als Zeugnisse jener Epoche verstreut über das gesamte Gebiet Kappadokiens finden. Mit der Herrschaft der Osmanen war diese Entwicklung rückläufig, auch wenn das Christentum zunächst sogar ohne Unterdrückung toleriert wurde. Die letzte christliche Gemeinde verließ das Gebiet aber nach dem Türkisch-Griechischen Krieg 1922.

Kappadokien ist zudem an der berühmten Seidenstraße gelegen und war somit Jahrhunderte lang in den Handel zwischen Europa und Asien involviert. Um sich aber vor möglichen Aggressoren zu schützen, entstanden ganze Städte unterhalb des weichen Tuffs. Insgesamt spricht man von knapp 50 solcher unterirdischen Städte (Troglodytenstadt), von denen Derinkuyu wohl die berühmteste ist. Sie befindet sich rund 55 Meter in der Tiefe und erstreckt sich über eine Gesamtfläche von vier Quadratkilometern. Die Wohnkomplexe jener Siedlungen waren mit Schlaf- und Aufenthaltsräumen ausgestattet, die mit Hilfe von schweren Mühlensteinen verschlossen wurden. Das Zelve-Tal in mitten Kappadokiens belegt die Siedlungsgeschichte am deutlichsten, denn das Tal wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts von seinen Bewohner aufgeben, weil große Einsturzgefahr besteht. Jedoch lässt sich hier wunderbar die Lebensweise nachvollziehen.

Eines der bewohnten Dörfer in der heutigen Zeit ist der Ort Göreme. Wie fast ganz Kappadokien gehört das Dorf mit seinen Höhlenkirchen zur Weltkulturerbe und Weltnaturerbe der UNESCO. Rund 2.000 Einwohner haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass ihre Lebensweise großes Interesse hervorruft. Hier ermöglicht man Reisenden auch die Übernachtung in solchen Höhlenwohneinheiten, was mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis wird. Im Inneren sind die Räume von großem Pragmatismus geprägt, schließlich werden Schränke und Regale einfach in den Fels geschlagen. Auch das Wandern durch Kappadokien vermittelt unglaubliche Eindrücke, fast an jedem Felsen gibt es etwas aus vergangenen Zeiten zu entdecken. Wer Kappadokien einmal erleben durfte, wird diese einzigartige Landschaft niemals wieder vergessen.