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Geister gibt’s nicht …. Oder doch?

Wohl nirgendwo in Europa sind Spuk und Gespenster so an der Tagesordnung wie in Schottland. Wenn man den Schotten glauben will, treiben in der Hauptstadt Edinburgh auf Friedhöfen, in Katakomben und in unzähligen alten Häusern Geister ihr Unwesen, denen man auf verschiedenen „Ghost Tours“ entgegentreten kann. Lust auf Gänsehaut? Lassen Sie sich entführen!

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, Sie stehen in der auf einem Hügel erbauten Altstadt. Enge Gassen, steil abfallende Sträßchen und Treppen, zehnstöckige und höhere 500 Jahre alte Wohnhäuser, der Lärm und Gestank einer überfüllten mittelalterlichen Stadt. Sie sind in Edinburgh, dem perfekten Schauplatz für Spuk und Geistergeschichten.
Das denken auch die Veranstalter unzähliger verschiedener Geistertouren, auf denen die Tour Guides geschickt die unheimlichsten Brocken aus Edinburghs Vergangenheit, wahre Geschichte und Legenden miteinander vermischen und in ihren altertümlichen Kostümen für die richtige Atmosphäre sorgen.

Die Geistertouren beginnen in der Regel alle am Mercat Cross auf der Royal Mile, der Hauptstraße der Altstadt. Eigentlich Zeichen der Stadtwürde im mittelalterlichen Schottland und Marktplatz, wurden hier öffentliche Hinrichtungen durchgeführt, deren schauerliche Details ich den Tour Guides vorbehalten möchte.
Von dort führen manche Touren in die Katakomben unter der South Bridge, früher Wohnstätte der Ärmsten der Armen, gleichzeitig Kuhstall und Arbeitsplatz der Schlachter und vieles mehr. Andere Touren führen auf den Friedhof von Greyfriars, wo man vor der Kulisse alter Gräber amüsante Geschichten wie die des schlechtesten Poeten Schottlands, William MacGonacall, oder die Wahrheit über Greyfriar’s Bobby oder über den Geburtsort von Harry Potter hört. Aber auch tragische Ereignisse der schottischen Geschichte fanden hier statt, wie die Gefangenschaft von mehreren Hundert presbyterianischen „Convenanters“ im 17. Jahrhundert, die unter freiem Himmel jeder Witterung ausgesetzt waren und, wenn sie nicht hingerichtet wurden, vielfach verhungerten und erfroren.
Das Bild, das auf den Geistertouren vom mittelalterlichen Edinburgh gezeichnet wird, ist immer das gleiche: eine überfüllte Stadt, begrenzt von dem viel zu engen Gürtel der „Flodden Wall“, die ohne Abwassersystem schmutzig war und stank und von Krankheiten wie der Pest heimgesucht wurde. Dort wo heute die blühenden Princes Street Gardens liegen, war früher das Nor Loch, Auffangbecken für die Abfälle und Abwässer der Stadt. Diese wurden einmal täglich auf den Ruf „Gardez l’eau!“ aus den Fenstern der mittelalterlichen Hochhäuser geschüttet – wer gerade darunter stand, hatte Pech – und rannen dann die Gassen hinunter bis zum Nor Loch. Auch Hexentribunale fanden auf dem Nor Loch statt, die für die Angeklagten natürlich in der Regel tödlich endeten.
Die Edinburgher scheinen stolz zu sein auf die dunkle Vergangenheit ihrer Stadt und Geschichten wie diese werden bis ins kleinste Detail ausgeschmückt. Auch die Story von Burke und Hare darf bei keiner Geistertour fehlen. Die beiden Mörder hatten im frühen 19. Jahrhundert eine besondere Geschäftsidee und versorgten Wissenschaftler mit frischen Körpern für ihre anatomischen Studien.

Neben der lebhaften Schilderung geschichtlicher Ereignisse gehören zu einer echten Geistertour aber natürlich auch paranormale Erscheinungen. Die meisten Veranstalter führen sogar Buch darüber, was der zu ihrer Tour gehörende Poltergeist ahnungslosen Besuchern angetan hat. In hunderten dokumentierten Fällen fanden Touristen nach einer solchen Tour Kratzspuren und blaue Flecken unter ihrer Kleidung und eine Geschichte erzählt von einem kleinen Mädchen, das auf einer Tour im Dunkeln von seiner Mutter getrennt wurde und an dessen Handgelenk man den blauen Abdruck einer Hand fand.

Organisatorische Tipps

Die meisten Geistertouren kosten um die 8 Pfund und können direkt an ihrem Startpunkt, dem Mercat Cross bei St. Giles Cathedral, gebucht werden. Sie dauern ein bis zwei Stunden und finden bei fast jedem Wetter statt. Während die meisten Touren, die tagsüber stattfinden, auch für Familien mit Kindern geeignet sind und in amüsanter Weise über die Geschichte der Stadt informieren, werden abends auch Führungen mit mehr Gruselpotenzial angeboten.
Eine besonders schöne Tour führt durch Mary King’s Close, wo man in einem unterirdischen Labyrinth auch alte Häuser besichtigen kann.