Home / Ratgeber  / Die schwimmenden Inseln der Uros

Die schwimmenden Inseln der Uros

Auf über 3800 Höhenmetern in den Anden liegt der Titicaca See, Heimat der Uros, eines indigenen Volksstammes, der seit Jahrhunderten auf selbst gebauten schwimmenden Schilfinseln lebt. Einst Rückzugsstätte vor den Angriffen der Inka, sind die Inseln heute für Besucher geöffnet und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Die Geschichte der Uros ist eine Geschichte des Widerstands – und des Erfolges. Als die Inkaherrscher ihr Großreich immer weiter ausdehnten, zogen die Uros sich auf schwimmende Inseln im Titicaca See zurück und entkamen so der Unterwerfung durch die Inka.
Heute gibt es zwar keine reinblütigen Uros mehr und auch ihre Sprache geriet allmählich in Vergessenheit, aber ihre Kultur lebt weiter. An die 50 schwimmenden Inseln gibt es auf dem Titicaca See. Hergestellt werden sie – ebenso wie die Hütten und Boote der Uros – aus Totora-Schilf, das im See wächst und für die Uros unverzichtbar ist. Neben Hauptbaumaterial dient das Schilf auch als Nahrungs- und als Energiequelle.
Eine Insel ist immer Heimat für mehrere Familien, während es auf den größeren Inseln auch eine Grundschule, einen Kindergarten, eine kleine Post und ein Restaurant gibt, wo Besuchern frischer Fisch serviert wird. Lebten die Uros früher hauptsächlich vom Fischfang, ist heute für die meisten Inseln Tourismus die Haupteinnahmequelle.

Ein Ausflug in die Welt der Uros

Ausgangspunkt einer Fahrt zu den „islas flotantes“ ist die Stadt Puno auf der peruanischen Seite des Titicaca Sees. Ein Boot bringt einen zur Insel San Miguel – jede Insel hat einen eigenen Namen – wo einer der älteren Uros die Führung übernimmt. Schon auf dem Weg zu den Inseln bekommt man einen Einblick in das Leben der Uros, denen man bei der Ernte des Totora-Schilfs zusehen kann. Auf der ersten Insel angekommen folgt eine Lektion in Sachen „Wie baue ich eine Insel?“. Wichtig dabei ist, die Inseln am Grund zu verankern, verrät der Führer zwinkernd, ansonsten könnte es passieren, dass man eines Morgens in Bolivien aufwacht. Und eine weitere Anekdote aus dem Uro-Leben gibt er zum Besten: Was macht man, wenn man sich mit der benachbarten Familie zerstreitet? Ganz einfach: man dreht sein Haus um. Während eigentlich die Türen aller Häuser zur Inselmitte zeigen, erkennt man Familienfehden daran, dass die Türen der Streithähne in die entgegengesetzte Richtung zeigen.

Alleine das Betreten der Schilfinseln ist ein Highlight für sich. Der Boden ist weich und federt bei jedem Schritt und die Inseln hören nie auf leicht zu schwanken. Mit etwas Glück bekommt man jedoch die Gelegenheit zu einem weiteren Abenteuer: einer Fahrt mit einem der Schilfkähne der Uros. Als aufmerksamer Beobachter kann man hier eine interessante Entdeckung machen. Während sich die Boote nach außen hin in den letzten Jahrhunderten wahrscheinlich wenig verändert haben, bestehen ihre Schwimmkörper heute aus gebündelten, leeren Plastikflaschen. Auch an anderer Stelle macht sich der Einfluss der modernen Welt auf das Leben der Uros bemerkbar: Tourismus bestimmt ihr Leben. Frauen verkaufen selbstgewebte Decken, Schmuck und Schlüsselanhänger und Mobiles aus Schilf, während Kinder mit Emailbechern herumlaufen und die Touristen nach Cola oder Limonade fragen. Trotzdem ist ein Besuch lohnenswert. Man bekommt einen Eindruck wie die Uros hier vor unserer Zeit lebten und ist umringt von freundlichen Gesichtern und strahlenden Kindern.