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Mit einem Lächeln habe ich vor kurzem die Focus-Kolumne von Frank Gebert gelesen. Er schildert hier seine Faszination vom Wandern unter verschiedenen Gesichtspunkten. Eines seiner Themen lautete „Ehepaare in den Bergen“. Auf herrliche Art und Weise schildert er seine Reisen in Begleitung seiner Frau mit all den ungeheuerlichen Geschehnissen.Wie so oft, wenn „Mann“ in Begleitung seiner Frau verreist, endet dies in einer Katastrophe. Mann kann in einem Urlaub überhaupt nichts richtig machen. Ähnlich wie Gebert es schildert, kommt es immer wieder zu Streit, weil der Mann mit riesengroßen Schritten voraneilt. Wartet er, fühlt sich die Frau gedemütigt, läuft er hinter der Frau, fühlt sie sich bedrängt.
Ähnlich verhält es sich bei der Nahrungsaufnahme. Der Mann ist gerne viel und schnell. Frauen möchten ihr Essen genießen – in 2.000 Metern Höhe? Beim Rasten ist diese Ungleichheit der Geschwindigkeit wiederum zu beobachten. Alle halbe Stunde möchte sich Frau gern einmal kurz zur Ruhe setzen – auch wenn es keine Gelegenheit dazu gibt oder die Notwendigkeit nicht gegeben ist. Im Laufe einer Wanderreise werden die Etappen logischerweise immer kürzer, weil Mann einsieht, dass sich die ehrgeizigen Ziele nicht verwirklichen lassen.
Am meisten schmunzeln musste ich an jener Stelle, an welcher er einen „riskanten“ Abstieg beschreibt. Die Frau, welche nicht schwindelfrei ist, hat das Gefühl, ihr Ehemann möchte sie umbringen. Sofort wird er mit der Unterstellung einer Affäre und angeblichen Mordplänen an seiner Angetrauten konfrontiert – allein diese Denkprozesse sind für einen Mann nur schwer nachvollziehbar.
Was soll „Mann“ nur machen? – Schmunzeln und sich für die gemeinsame Zeit bedanken!
[...mehr]Das Wandern wird immer beliebter. Beim Verfolgen der Medienlandschaft in den letzten Wochen musste ich feststellen, dass sich das Wandern und die damit verbundene Erweiterung des Seins immer größer werdender Beliebtheit erfreut.
Immer mehr Menschen verzichten auf ihren alljährlichen Strandurlaub und begeben sich stattdessen auf Wanderschaft durch den Schwarzwald, das Rheintal oder die Alpen. Ausgelöst haben diesen Boom Prominente wie Hape Kerkeling mit seinem Buch „Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jackobsweg“ oder Manuel Andrack, der kongeniale Partner von Harald Schmidt, Autor des Buches „Du musst wandern“. In naher Zukunft sollen sich sogar Prominente begleitet von einer Kamera auf eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg begeben.
Was hat es auf sich mit dieser neuen Art der Selbsterfahrung? Alte Wanderhasen sprechen von der Erweiterung des Horizontes und einer neuen Ökologie der Sinne. Düfte, Aussehen und Licht werden anders wahrgenommen und selbst Freundschaften können auf dieser Reise derart vertieft werden, dass sie ein Leben lang halten. Aber ist es eigentlich nicht immer so wenn man aus seinem Alltag ausbricht, dass sämtliche neue Dinge, andere Länder und neugewonnene Freundschaften verheißungsvoller sind? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, habe ich mich auf Wanderschaft begeben. Das Ergebnis hat mich am Ende selbst überrascht, schließlich dachte ich bisher noch mit Grauen an meine Kindheit, als meine Eltern statt ans Meer mit uns in die Berge fuhren. Trotz körperlicher Erschöpfung und der Sehnsucht nach einer Dusche erfreute ich mich einer neuen geistigen Frische. Viele Angelegenheiten, die mich belasteten, sind in den Hintergrund getreten – stattdessen bin ich voller Tatendrang und in freudiger Erwartung der kommenden Aufgaben. Es lohnt sich also zu Wandern – aber diese Erfahrung sollte man unbedingt für sich machen.
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